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spacer.gif   „Europa ist tot – investieren Sie in Europa!“
posted by : simon on Monday, June 29, 2009 - 11:49 AM
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 „Das ist keine Empfehlung für antizyklische Anleger. Es ist vielmehr eine etwas pointierte Beschreibung der Widersprüchlichkeit des alten Kontinents. Auf der einen Seite ist er zurückgefallen und hat vor allem in den letzten Monaten viel von seiner Attraktivität eingebüßt. Auf der anderen Seite ist dies aber kein Grund, sich als Anleger zurückzuziehen. Im Gegenteil, es ist eine Chance für kluges Investieren in Europa“, schreibt Dr. Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater der direktanlage.at in einem aktuellen Marktkommentar. Nachfolgend der Originalbeitrag.

Schauen wir uns die Situation etwas genauer an. Wer heute auf die weltwirtschaftliche Landkarte blickt, stößt nicht zuerst auf Europa. Alle reden von China und den anderen asiatischen Schwellenländern, die den Aufschwung der Weltwirtschaft anführen. Oder von den USA mit einem Präsidenten, der die Strukturprobleme des Landes energisch anpackt. Die Sparquote der amerikanischen Verbraucher ist von Null auf 5,7 Prozent gestiegen. Das Leistungsbilanzdefizit hat sich in den letzten drei Jahren halbiert (auf annualisiert „nur“ noch 400 Mrd Dollar).

 

Über Europa lässt sich dagegen ..

 

                                ..derzeit nicht viel Positives berichten. Bei den Europawahlen zeigte sich das große Desinteresse an europäischen Angelegenheiten. In der Bekämpfung der Wirtschafts- und Finanzkrise spielte Brüssel praktisch keine Rolle. Auf der Sitzung des Europäischen Rates wurde der bisherigen Kommissionspräsident Barroso für weitere vier Jahre für das Amt nominiert, obwohl jeder weiß, dass er eher ein schwacher Kandidat ist. Die Ratifizierung des Lissabon-Vertrags, der einmal als europäische Verfassung gestartet war, hängt an einem seidenen Faden.

 

Es ist zu vermuten, dass Europa in den nächsten Monaten weitere Schwierigkeiten bevorstehen werden. Die Zahlungsschwierigkeiten Islands und Ungarns wurden zwar im Zusammenwirken mit dem IWF gut gemanagt. Auch die Spannungen innerhalb der Eurozone haben sich nicht entladen. Es ist aber zu vermuten, dass hier noch einiges kommen wird. Die Probleme Irlands, Spaniens, Portugals, Griechenlands (und auch Österreichs) sind noch nicht gelöst.

 

Außerhalb der Eurozone macht vor allem Lettland Sorgen, weil es von hier aus Spillover Effekte auf die anderen baltischen Staaten geben könnte. Das würde auch Bulgarien treffen, das wie Lettland einen festen Wechselkurs hat. Die Probleme des Baltikums haben wegen der Nähe zu Russland auch einen sicherheitspolitischen Aspekt. Rumänien wird Hilfe brauchen. Außerhalb der EU steht die Ukraine mit leeren Händen da. Selbst die Schweiz hat angesichts seines Bankensektors, dessen Bilanzsumme ein Vielfaches des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, Probleme. Der Spread auf die Anleihen einiger Staaten ist zuletzt wieder gestiegen. Das ist das Negative an Europa. Es gibt aber glücklicherweise auch noch eine andere Seite der Medaille. Hier die zwei wichtigsten Punkte: Der erste ist, dass die Probleme Europas weniger aus der Wirtschaft resultieren, als vielmehr aus der Politik. Europa fällt in der öffentlichen Wahrnehmung zurück, weil es im internationalen Konzert nicht mit einer Stimme spricht. Die Gemeinschaft kann sich nicht oder nur wenig überzeugend auf gemeinsame Positionen einigen und diese dann auch gemeinsam vertreten. Es gibt keinen starken europäischen Politiker, der die Gemeinschaft weiterbringen kann und will. Frühere Integrationsschübe gingen immer von Personen aus (in den 60er Jahren vom Deutschen Walter Hallstein, in den 70er Jahren von Helmut Schmidt und Giscard d’Estaing, in den 80er/90er Jahren von dem Franzosen Jaques Delors, in den 90er Jahren von Helmut Kohl und Jaques Chirac). Die für eine Union notwendige Bereitschaft der nationalen Regierungen zum Souveränitätsverzicht gegenüber den Gemeinschafts-Institutionen hat abgenommen. Die alten westlichen Mitglieder der EU sind dabei nicht besser als die neuen in Osteuropa.

 

Wirtschaftlich steht Europa dagegen gar nicht so schlecht da. So wie es jetzt aussieht, wird sich die europäische Wirtschaft 2010 nicht wesentlich ungünstiger entwickeln als etwa die der Vereinigten Staaten.

 

Wenn die Amerikaner einen Vorsprung haben, dann weil sie früher in die Rezession geschlittert sind und daher auch früher wieder herauskommen. Es gibt zwar die erwähnten wirtschaftlichen Probleme in Europa. Sie sind aber im Weltvergleich nicht ungewöhnlich.

 

Auf währungspolitischem Gebiet steht die Gemeinschaft sogar ausgesprochen gut da. Der Euro hat sich in der Krise gut behauptet. Sein Wechselkurs steigt. Er hat die Mitglieder der Währungsunion vor größeren Währungsturbulenzen bewahrt. Noch nie wollten so viele Staaten dem Euro beitreten wie jetzt. Die EZB hat sich im Konzert der Zentralbanken als fachkundige, überlegte und strategisch orientierte Institution erwiesen, der überall Respekt gezollt wird (manchmal sogar mehr als der amerikanischen Fed).

 

Nicht zu vergessen: Europa ist für Unternehmen, die an Direktinvestitionen denken und daher einen viel langfristigeren Horizont haben als normale Wertpapieranleger, nach wie vor sehr interessant. 2008 wurden 250 Milliarden US-Dollar in Europa investiert. Das ist doppelt so viel Geld wie in dieser Zeit nach China floss.

 

Der zweite Punkt ist, dass die Probleme Europas nicht die Union als Ganze betreffen, sondern nur einzelne Staaten. Europa ist – leider, sage ich – noch nicht so weit integriert, dass man es als eine Einheit sehen muss wie etwa die USA. Es teilt sich derzeit in ein wirtschaftlich gutes und ein wirtschaftlich schlechtes Europa. Das gute Europa, das sind innerhalb der Eurozone Frankreich, Deutschland, die Benelux-Staaten (wobei man bei Belgien einen Abstrich machen muss) und Finnland. Sie werden als erste den Weg aus der Rezession finden. Das schlechte Europa, das sind die genannten südlichen Staaten Griechenland, Spanien, Portugal und Italien sowie Irland. Das gute Europa wird dem schlechten Europa im Zweifel in seinen Problemen helfen (trotz aller non-bail-out-Klauseln).

 

Die Folgen für den Anleger: Die Streuung des Portfolios nach den großen Regionen Europa, Amerika, Japan und die Schwellenländer Asiens passt zumindest für Europa nicht mehr. Europa hat zwar eine eigene Währung und einen eigenen Binnenmarkt. Seine Aktienmärkte sind aber sehr unterschiedlich. Interessant ist, dass sich die Märkte der makroökonomischen „Problemfälle“ in den letzten Monaten wesentlich besser entwickelt haben. Seit Jahresbeginn stiegen die Aktienkurse in Griechenland um 21 Prozent, in Österreich um 14 Prozent, in Ungarn sogar um 25 Prozent verglichen mit Stagnation in Deutschland, 2 Prozent in Frankreich und minus 4 Prozent in der Schweiz. Das muss sich freilich nicht so fortsetzen. In jedem Fall sollte man Europa nicht aus den Anlageüberlegungen ausschließen.


 
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